Schweiz
Donald Trump

Trump am WEF: Das fordern SP, GLP und SVP vom Bundesrat

KEYPIX - President Donald Trump disembarks Air Force One at Palm Beach International Airport, Friday, Jan. 16, 2026, in West Palm Beach, Fla. (KEYSTONE/AP Photo/Julia Demaree Nikhinson)
Wie soll der Bundesrat mit Trump umgehen? Politiker ordnen ein.Bild: AP

WEF: «Wird in die Geschichte eingehen als letzter Versuch, Trump zu besänftigen»

Trumps Besuch am WEF sorgt auch wegen seiner Grönland-Pläne für Spannungen. SP und GLP verlangen vom Bundesrat klare Worte zum Völkerrecht, die SVP warnt hingegen davor.
21.01.2026, 04:5721.01.2026, 06:49

Erstmals seit Donald Trump wieder US-Präsident ist, reist er am Mittwoch in die Schweiz, um am World Economic Forum in Davos teilzunehmen. Und das in einer geopolitisch angespannten Lage.

«Wir leben in schwierigen Zeiten. So schwierig wie zuletzt 1945», sagte WEF-Präsident Børge Brende am Dienstag in seiner Eröffnungsrede.

Erst vor wenigen Tagen hatte US-Präsident Trump erneut angedeutet, Grönland notfalls den USA einverleiben zu wollen – eine Vorstellung, die Nato-Staaten scharf zurückweisen. Das Thema dürfte auch die Gespräche in Davos dominieren.

Die Bestrebungen von Trump lösen in der Schweizer Politik kontroverse Reaktionen aus. Die Meinungen im Parlament gehen deutlich auseinander.

Fabian Molina: «Letzter Versuch»

Für SP-Nationalrat Fabian Molina ist Donald Trumps Besuch am WEF vor allem eines: ein Risiko. «Präsident Trump hat in den letzten Monaten die Welt in Angst und Schrecken versetzt – mit seiner Zollpolitik, mit dem Abbau von Rechtsstaat und Demokratie, mit einer Militärintervention und den Gewaltandrohungen gegen Grönland», sagt der Aussenpolitiker. Der Besuch in Davos werde an seinem Kurs nichts ändern.

«Das WEF 2026 wird in die Geschichte eingehen als letzter Versuch, Trump mit Bücklingen oder Schmeicheleien zu besänftigen. Ein letztes Appeasement.»
Fabian Molina, SP-ZH, stellt eine Frage zum Kriegsmaterialgesetz, an der Wintersession der Eidgenoessischen Raete, am Dienstag, 2. Dezember 2025 im Nationalrat in Bern. (KEYSTONE/Alessandro della Vall ...
«Die Schweiz muss hinter dem Völkerrecht stehen und das Trump so mitteilen»: SP-Nationalrat Fabian Molina.Bild: keystone

Besonders alarmierend seien Trumps jüngste Aussagen, wonach Grönland aus seiner Sicht Teil der USA werden müsse. «Das Völkerrecht gilt universell – oder gar nicht», sagt Molina. Zwar werde internationales Recht heute teils selektiv angewendet, räumt der SP-Politiker ein. «Doch die Alternative ist brandgefährlich: Wenn sich das Recht des Stärkeren durchsetzt, wäre das für kleine Länder wie die Schweiz eine Katastrophe.»

Gerade deshalb dürfe man imperialistische Machtansprüche nicht hinnehmen. «Wir müssen zu einer Ordnung zurückfinden, die auf Regeln basiert und nicht auf militärischer Drohkulisse.» Molina fordert auch vom Bundesrat mehr Klarheit in Davos:

«Es reicht nicht, auf diplomatische Floskeln zu setzen. Die Schweiz muss unmissverständlich hinter dem Völkerrecht stehen und das Trump auch so mitteilen.»

Tiana Moser: «Gespräch mit Trump suchen»

Anders ordnet GLP-Ständerätin Tiana Moser Trumps Besuch ein:

«Am WEF treffen sich private und öffentliche Akteure. Es ist richtig, diese Gelegenheit zu nutzen, damit der Bundespräsident vor Ort das Gespräch mit Trump sucht. Das gehört zur Schweizer Aussenpolitik.»
Tiana Angelina Moser, GLP-ZH, spricht waehrend der Debatte um die Volksinitiative "Keine 10-Millionen-Schweiz!.(Nachhaltigkeitsinitiative)", waehrend der Wintersession der Eidgenoessischen R ...
«Für regelbasierte Ordnung einsetzen»: GLP-Ständerätin Tiana Moser fordert, dass der Bundesrat das Gespräch mit Trump sucht.Bild: keystone

Gleichzeitig fordert Moser, dass die Schweiz ihre Werte und ihre Haltung klar und unmissverständlich äussert. Das Eidgenössisches Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) habe unmissverständlich festgehalten, dass die Schweiz zum Völkerrecht stehe und Grönland zu Dänemark gehöre. «Diese Werthaltung erwarte ich auch vom Bundesrat», sagt die Aussenpolitikerin.

Als kleines, globalisiertes und wohlhabendes Land sei die Schweiz auf eine regelbasierte Weltordnung angewiesen. «Entsprechend müssen wir uns auch mit Nachdruck dafür einsetzen», so die Zürcher Ständerätin.

Franz Grüter: «Schweiz betreibt kein Appeasement»

Nochmals anders gewichtet SVP-Nationalrat Franz Grüter Trumps Besuch. Für ihn ist es unproblematisch. «Es ist Tradition, dass Staatschefs ans WEF kommen. Insofern ist das sehr zu begrüssen. Ich sehe daran nichts Negatives.» Die Rolle der Schweiz sei für ihn klar definiert:

«Unser Motto muss sein: Schlichten statt Richten. Es ist nicht unsere Aufgabe, in internationalen Konflikten Partei zu ergreifen oder den grossen Richter zu spielen.»

Das EDA solle sich «von seiner Twitter-Diplomatie verabschieden» und nicht zu jedem Ereignis sofort Stellung beziehen. Entsprechend erwartet Aussenpolitiker Grüter auch vom Bundesrat Zurückhaltung. Die Schweiz müsse nicht öffentlich auf Trump einwirken oder ihn belehren.

Nationalrat Franz Grueter, SVP-LU, links, spricht neben Nationalrat Gerhard Andrey, GP-FR, rechts, waehrend einer Medienkonferenz der ueberparteilichen Parlamentariergruppe ueber das neue E-ID-Gesetz, ...
«Fakten haben sich verschoben»: SVP-Nationalrat Franz Grüter fordert Zurückhaltung bei Trump. Bild: KEYSTONE

Zwar stehe auch die SVP hinter dem Völkerrecht. «Aber die Fakten haben sich verschoben. Grossmächte setzen ihre Interessen zunehmend durch, notfalls auch mit Gewalt.» Sollte es rund um Grönland zu einer Eskalation kommen, sieht Grüter die Schweiz in einer Vermittlerrolle. «Wenn wir einseitig Partei ergreifen, verspielen wir unsere traditionelle Rolle.» Entsprechend kritisch beurteilt er auch eine stärkere Annäherung an die Nato oder die EU:

«Wir haben keine Flugzeugträger. Gerade deshalb müssen wir aufpassen, dass wir uns nicht in fremde Konflikte hineinziehen lassen.»

Den Vorwurf des Appeasements weist Grüter zurück. «Die Schweiz betreibt kein Appeasement. Sie ist ein Ort, an dem Gespräche stattfinden können – auch mit umstrittenen Staatschefs. Diese Rolle hatte die Schweiz immer, und sie ist wichtig.»

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179 Kommentare
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Dr. Rodney McKay
21.01.2026 05:47registriert September 2024
Wenn es nach der SVP ginge, müsste der Bundesrat wohl eher mit Trump darüber verhandeln, dass Schweizer Firmen nach der gewaltsamen Annexion durch die USA beim Abbau der Bodenschätze ganz vorne mit dabei sein können…

Es ist ekelhaft, wie sich diese Partei gegen das Völkerrecht stellt 🚮
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1946W1944J
21.01.2026 05:33registriert November 2023
Russland überfällt die Ukraine, Trump will Grönland, für die SVP alles kein Problem. Derweil sich Maurer Xi als Zierde andient. Mutig sind die Recken wohl nur, wenn sie sich gegen Minderheiten richten können.

Und ja, der Neutralitätsbegriff der SVP geht soweit, dass sie vor zwanzig Jahren als einzige dagegen waren, dass Vergewaltigung in der Ehe nicht ein Offizialdelikt werden sollte. Mit einer adäquaten Begründung, der selben schäbigen Ideolgie und bis heute keiner Verändrrung im mindset.
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Clandestino
21.01.2026 05:51registriert Mai 2025
einfach nur widerlich wie die SVP, namentlich Herr Grüter, das imperialistische, bedrohliche und friedensgefährdende Verhalten von den USA (nein, nicht nur Trump alleine) schönredet. Denn auch die Schweiz wird darunter leiden, so es durch weitere erpresserische Zölle bis hin zu einer militärischen Auseinandersetzung.
Aber es war nicht anders zu erwarten von der SVP. Erbärmlich!
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